Am Schluss der Reise querten wir noch die Haute-Provence um dann über die alten Städte Arles, Nîmes und Avignon unsere Reise zu abzuschließen.
Bevor es soweit war, ging es aber in jene Stadt, die viele Franzosen als ihre Lieblingstadt bezeichnen. Auch geht es in diesem Teil noch um ein UNESCO Weltkulturerbe, Wein und Päpste.
Nicht viele Städte können auf eine über 2200 jährige Geschichte verweisen, jedoch den Ursprung für Aix-en-Provence lieferten schon vor 100 v.C. die Salyer (Saluvier), welche dann von den Römern erobert wurden und seit dem eine Stadt (auch wenn es wohl mehrere Jahrhunderte eher verschlafen war). So wird Moritz Hartmann Mitte des 19. Jahrhundert wie folgt zitiert:
"Das Gras wächst in den Straßen, die Fenster sind geschlossen ... Uralte Platanen werfen ihren melancholischen Schatten auf diese gestorbene Welt..."
was mich natürlich neugierig machte, wie es denn heute ist, vor allem wenn die meisten Franzosen diese Stadt als ihre Lieblingswohnort nenne. Also ging es Abends auf ein "un verre de vin rouge" in die Altstadt. Und wie ich letztlich erwartet habe, wuchs dort kein Gras auf der Straße, sondern die Bars und im speziellen die Tische draußen waren gut besucht. Ja, ich hab mich dort wohl gefühlt.
So schön Aix-en-Provence am Abend war, hatte es natürlich zum Nachteil, das man sonst nichts besichtigen konnte. Wir haben uns aber nicht lange darüber gegrämt, sondern sind am nächten Tag weiter nach Arles.
Arles, wo die die Wurzeln auch bei den Römern zu suchen sind, ist fast ein "Must" für alle die in dieser Region reisen und kulturhistorisch interessiert sind. So finden sich in Arles nicht nur mit der "Les Aréns Romaines" das beste erhaltene Amphitheater in der ehemaligen Provinz Gallien. (Ja, die Region wo es ihm hohen Norden dieses kleine gallische Dorf gab, was Cäsar fleißig widerstand leistete) Heute wird das Oval wieder für Stierkämpfe genutzt. Während wir dort waren, standen grad Schlangen vor dem Vorverkaufsbüro für das Oster-Spektakel.
Daneben besichtigten wir noch sehr ausführlich das "Theatre Antique", was früher wohl bis zu 10.000 Besucher Platz bot. Zur Zeit wird es wieder restauriert/konserviert (oder wie man das auch immer nennen mag) denn es ist in einem schlechten Zustand. (Was nicht verwundert, da es im Mittelalter als Steinbruch diente)
Neben all diesen alten Steinen (die nebenbei Arles schon 1981 den Status eines UNESCO Weltkulturerbes einbrachte) hat dort noch die "Fondation Vincent van Gogh" ihren Sitz. Vin, wie ich ihn liebevoll nenne, war 1888/1889 für genau 444 Tage in Arles, denn er war von den traumhaften Lichtverhältnissen begeistert. Jedoch waren die anderen Bürger der Stadt nicht sehr angetan von diesem "Künstler", so das er letztlich die Stadt auf anraten seines Arztes in Richtung Saint-Rémy-de-Provence verließ. Wir waren nicht ganz so lange dort, sondern uns führte es auf dem Weg nach Nîmes noch in die Camargue.
Die Camargue, welche sozusagen das Schwemmland der Rhone ist, ist speziell für die freilaufenden weißen Pferde, die schwarzen Stiere und natürlich die rosaroten Flamingos bekannt. Als Münchner kennt man die Flamingos ja nur vom Tierpark Hellabrunn, die rechts neben dem Eingang gelangweilt rumstehen. Ich würde sagen wir hatten, dank der frühen Reisezeit, das Glück einen wunderbaren Platz am Etang de Vaccarès zu finden, wo wir am frühen Morgen die Flamingos schon wieder im Wasser stehend beobachten konnten, ohne das Bett verlassen zu müssen. Schiebetür aufmachen reichte. Leider waren sie für meine Kamera fast einen tick zu weit entfernt.
Was uns aber fast mehr begeistert hat, war die direkte Nachbarschaft zu einer Bieber Familie, die sich auch von unserer Anwesenheit nicht stören ließ.
Nach dieser kurzen Erholung in der Natur, war das nächste Etappen-Ziel Avignon. Auf dem Weg dort hin, gab es noch eine Abstecher nach Nîmes, sowie Pont du Gard. Der Antike Tempel von Nîmes sowie die alte "Wasserleitung" der Römer, dürfen fast jeder schon mal in einem Bildband gesehen haben. In echt beeindruckt das natürlich noch mehr, als es Bilder auch nur wieder geben können.
In Avignon angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg in den Papst-Palast (Palais des Papes). Wie ich das erste mal vom Papst-Palast hörte, war die Verwirrung schon groß, den der Papst sitzt doch im Vatikan. Aber in der Zeit zwischen 1309 und 1377 mieden sie Rom. Papst Clement V. (er war Bischof von Bordeaux) weigert sich nach Rom zu gehen, und so erwählte er Avignon als neue Papst-Sitz. Erst Papst Gregor XI. zog wieder in den Vatikan ein. Doch noch eine Weile war Avignon Papst-Residenz. Denn während des Abendländischen Schisma wählten die Gegenpäpste Avignon als ihren Sitz.
Die Besichtung des Palais war wunderschön, und dank der deutschen Audio-Guides auch super informativ. Da wir leider aber schon recht spät dran waren, und zu den letzten 3 Besuchern gehörte, wurden die Aufseher schon eine 3/4 Stunde vor Ende der Öffnungszeiten sehr unruhig und warfen uns dann fast 20 Minuten vorher raus. Leider hatten wir noch nicht alles gesehen. Das war nicht nett, und wäre ich der französischen Sprache mächtig, hätten wir uns sicherlich auch besser durchsetzen können. Man will ja schließlich was für sein Geld haben.
Am nächsten Morgen ging es dann auf die lange, aber doch sehr angenehme Heimreise nach Bayern. Bevor wir aber so richtig uns auf den Highway durch das Rhone-Tal machten, besuchen wir noch
Châteauneuf-du-Pape. Ein kleiner Wein-Ort, der es seit Jahrzehnten versteht seinen Namen und seine guten Weine gut zu vermarkten. Der Ort selber besteht letztlich nur aus Weinkeller und hoch oben auf dem Hügel, pfeift der Mistral um die Ruine des Schlosses der Päpste von Avignon.
Ich konnte nicht widerstehen und wurde auch in einem der Weinkeller fündig.
Als wir am nächsten Mittag in Bayern angekommen waren, waren wir gleich wieder richtig von der Kulisse beeindruckt. Aber so war die Vorfreude auf zu Hause noch größer und der Urlaub fand ein schönes Ende.
Unsere fast 3000 km lange Reise wurde gut von den beiden Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag begleitet. Für den italienische Teil nutzen wir "Piemont & Aostatal" von Sabine Becht und die Details der französischen Route erfuhren wir aus Ralf Nestmeyer "Provence und Côte d'Azur".
Auch einige der Informationen, flossen in den Reiseberichten.
Die ersten Berichte der Provence Reise gibt es hier zu lesen